Montag, 1. Dezember 2014

Weltfussballerwahl - oder doch eher Kasperltheater?

#aufdemplatz


Am ersten Dezember wurden die Finalisten der diesjährigen Weltfussballerwahl bekanntgeben: Cristiano Ronaldo, Lionel Messi und Manuel Neuer hatten es geschafft. Sofort brachen in den sozialen Netzwerken (und sicher auch außerhalb davon) die Diskussionen los: wer hat es nun wirklich verdient? 


(Quelle: www.fcbayern.de)


Ich frage mich immer wieder: was sind denn überhaupt die Anforderungen an einen Weltfussballer? In den letzen Jahren habe ich immer mehr das Gefühl bekommen, dass alleine die Tore zählen und das finde ich persönlich schade. Meiner Meinung nach gehört viel mehr dazu, nämlich die gesamte Leistung auf dem Platz. Dazu gehören auch einige Dinge die leider nicht in Statistiken festgehalten werden, wie zum Beispiel die zahlreichen Wege im Hintergrund, das Verteilen der Bälle und allem voran der Einsatz für die Mannschaft.  
Ein Beispiel: ein Stürmer tut nicht viel für das Spiel aber die anderen suchen ihn immer wieder und er steht jedesmal goldrichtig und macht seine drei bis vier Tore. Auf der anderen Seite ein Mittelfeldspieler, der Bälle verteilt, das Tempo steuert und die Übersicht behält, jedoch keines oder vielleicht mal ein Tor schießt. - Wen würde man besser bewerten? Wahrscheinlich den Spieler mit den vielen Toren.
Und das finde ich schade, weil Fußball aus viel mehr besteht. Heutzutage wird jedoch leider Tore schießen viel höher bewertet, als Tore zu verhindern, was es für Verteidiger und Torhüter schonmal eine Spur schwieriger macht einen solchen Titel zu gewinnen.  

Weiters fragen sich viele: „Was macht ein Torhüter überhaupt bei einer Weltfussballerwahl?“ Natürlich gibt es die Auszeichnung zum Welttorhüter, doch sind Torhüter keine Fussballer? Gerade Manuel Neuer, der gerne aus seinem Kasten rauskommt und am Feld mitspielt, hat uns bewiesen, dass es Torhütern auch nicht schadet, fußballerisch fit zu sein. 
(Und solange Torhüter zum Weltfussballer gewählt werden dürfen, ist diese Frage meiner Meinung nach sowieso überflüssig; da unnötig verschwendete Energie.)

Manuel Neuer hat das Torwart-Wesen mit seiner offensiven Spielweise revolutioniert und den Libero wieder eingeführt. Vor allem im Jahr 2014 (aber auch davor) hat er auf einem unglaublich hohen Niveau gespielt, in Verein und Nationalmannschaft. Patzer passieren natürlich auch ihm, Fehler sind menschlich.
Und jeder der meint, ein Torhüter ist nur so gut wie seine Abwehr, der soll sich bitte nocheinmal das WM-Spiel Algerien gegen Deutschland (oder wahlweise Deutschland gegen Frankreich) ansehen. Da war die deutsche Abwehr nämlich definitiv nicht so gut wie ihr Torhüter. :)

Natürlich hat ein Ronaldo eine hohe Qualität, unzählige Tore geschossen und die Champions League gewonnen, das will ich gar nicht bestreiten. Doch andererseits: wo war er bei der WM? Ronaldo glänzt bei seinem Verein Real Madrid, weil das Spiel auf ihn zugeschnitten ist und er Top-Fussballer um sich herum hat. Das ist bei der Nationalmannschaft nicht der Fall. Natürlich kann ein Spieler alleine keine WM gewinnen, doch Ronaldo ist in der WM-Gruppenphase eher untergegangen, anstatt mit guten Leistungen aufzuzeigen.  Auch Messi hat gerade einen Champions League Rekord aufgestellt, mit Barcelona gute Leistungen gezeigt und stand genau wie Manuel Neuer im WM-Finale. 

Ich möchte die Leistung der beiden auf keinen Fall schmälern, sie spielen seit Jahren auf hohem Niveau und haben hohe Qualitäten, das ist unumstritten. Ich denke jedoch, es sollten auch einmal die guten Leistungen anderer gewürdigt werden. Und in diesem Jahr sehe ich persönlich einen Manuel Neuer vor Messi und auch vor Ronaldo. Aufgrund seiner hervorragenden Leistungen und seiner Titel. (Bundesliga, Deutscher Meister mit dem FC Bayern; Weltmeister mit der Deutschen Nationalmannschaft; Torhüter der WM) 

Einige Wochen WM sollen nicht über eine ganze Saison gestellt werden, natürlich nicht. Doch wer sagt, dass die WM nicht so viel zählen sollte, irrt meiner Meinung nach. Ist der Weltmeister-Titel nicht die größte Auszeichnung in diesem Sport? DER meisterstrebte Titel eines jeden Profi-Fussballers? Dann soll die Leistung während einer Weltmeisterschaft doch auch bitteschön in diese Wertung einfließen - und das nicht zu gering!

Abgesehen davon, dass höchstwahrscheinlich wieder Cristiano Ronaldo im Januar den Ballon d’Or entgegennehmen wird, finde ich sowieso, dass Fußball ein Mannschaftssport ist und diese Auszeichnung nicht so hochgejubelt werden sollte. (Kasperltheater!) 
Aber wenn es sie schon gibt, wäre es schön einmal das Gefühl zu haben, dass Messi & Ronaldo diesen Titel nicht abonniert haben und auch mal herausragende Leistungen anderer Spieler honoriert werden. 





Mittwoch, 19. November 2014

Abschlussprojekt

#abseitsdesplatzes


Nun einmal etwas persönliches. Nach bereits über einem Jahr an der Uni, geht es bei uns nun an's Abschlussprojekt. Ich werde ein Imagevideo für die fiktive Personal Coaching Agentur MOT[IVAT]ION drehen. Die Bewegung soll hier in den Alltag des Kunden integriert werden, der Coach soll motivieren, anspornen und Begleiter sein. Bei diesem Unternehmen steht die Beziehung zwischen Coach & Kunde an erster Stelle, es soll sich alles - wenn möglich - auf freundschaftlicher Ebene abspielen. Wie zwei Freunde, die gemeinsam Sport betreiben. 

Das Video wird einerseits aus Interviews und auf der anderen Seite aus Szenen aus dem Leben mit einer Personal Coaching Agentur bestehen. 
Ich war bereits zwei Wochenenden in Österreich um die ersten Außenaufnahmen zu drehen. Dank Glück mit dem Wetter lief alles nach Plan.

Am Freitag, den 10. Oktober ging es das erste mal heimwärts.  Samstags folgten die ersten Besprechungen mit zwei meiner Protagonisten. Wir konnten auch schon eine Innenszene drehen, in der eine Kundin alleine in ihrer Wohnung trainiert.
Drehwochenende 1
Am Sonntag hatten wir beschlossen gemeinsam auf einen Berg zu gehen, um dort zu filmen. Und das stellte sich schlussendlich als sehr große Herausforderung für mich heraus: wandern und gleichzeitig filmen, also versuchen außer Atem die Kamera möglichst ruhig zu halten. Leider gelang das nicht immer so gut, aber es gibt ja Gott sei Dank genügend technische Hilfsmittel um das wieder auszumerzen. :)
Den Montag starteten wir mit einem "Fitness-Frühstück" wo allerlei gute und gesunde Dinge (viele aus dem eigenen Garten oder aus der Region) aufgetischt wurden, die wir alle gemeinsam nach den Dreharbeiten verputzen durften.  Abends ging es für mich dann mit der Bahn zurück nach München. 




Drehwochenende 2
Am ersten November ging's dann wiedereinmal mit der Bahn (um 06:24 Uhr morgens!) los nach Österreich. Auf dem Plan standen zwei Außenszenen: eine Radfahrszene und eine Eislauf-Szene (die schließlich leider gekippt werden musste). Nachdem ich Audio-"Genie" irgendwann endlich die Mikros verstanden hatte, konnten wir abends endlich auch die ersten Probe-Interviews drehen, die restlichen beiden folgten am nächsten Tag. 
Eine weitere Szene musste ich wettertechnisch auf den nächsten Drehtermin verschieben und so genoss ich noch einen freien Tag nach den Dreharbeiten zuhause  bei meiner Familie, bevor ich mich auf den Rückweg nach München machte. 

Das Wochenende danach besuchte mich eine Freundin und wir drehten eine weitere Szene für mein Video. Sobald sie wieder zurück in Österreich war und ich mal zwischen Arbeit und Uni Zeit hatte, setzte ich mich auch gleich das erste mal vor's Schnittprogramm um einfach mal zu sehen wie die verschiedenen Aufnahmen gemeinsam/hintereinander aussehen. Ich bin soweit eigentlich sehr zufrieden und hoffe, dass auch die restlichen Drehtage noch einigermaßen reibungslos verlaufen. 

Fortsetzung folgt :) 

Sonntag, 24. August 2014

Faszination Fussball-Fan oder: Wie sehen Beziehungen zwischen Fans und Spielern heute wirklich aus?

#abseitsdesplatzes

Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.“
- Wikipedia

In einer Stadt mit einem Verein geboren zu sein, seit klein auf mit diesem Verein aufwachsen und wissen wo man hingehört, ist in meinen Augen ein riesiges Vorrecht. 
Ich kann nur für mich sprechen und möchte kurz etwas dazu erläutern: ich bin z.b. in einem Dorf aufgewachsen, da gab‘s nichtmal einen richtigen Verein, es gab keine regelmäßigen Spiele, gar nichts. Das einzige was mich zum Fussball gebracht hat, war mein Bruder und die Herkunft meiner Mama. Wien. Da gab es sie, die Vereine. Ich persönlich bin, auch wenn das vielen jetzt nicht gefallen wird, mit Rapid Wien aufgewachsen. Ich hatte keine Ahnung wie die Spieler heißen, wo wir in der Tabelle stehen oder sonstiges. Mein großer Bruder war schon immer mein Vorbild, und wenn er Rapid anfeuerte, dann war logisch, dass ich das auch tat. Mein Bruder mochte diesen Verein, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Grün und Weiß ein Leben lang. Zu diesem Verein stehe ich auch heute noch. Es ist mein Kindheitsverein, obwohl ich keinen lokalen Bezug dazu habe, wie jemand der seinen Verein in derselben Stadt hat. Doch ich wurde älter und begann mich mit Fussball auseinanderzusetzen. Mein Interesse an Fussball, an der Technik, an Taktiken, an anderen Vereinen wuchs. Ich wollte über den Tellerrand schauen. Österreich ist nunmal keine Fussballnation, das ist allgemein bekannt. Und dann kam ich sozusagen durch Bastian Schweinsteiger zum FC Bayern. 

Wann darf man sich überhaupt als Fan bezeichnen?

Ist es schlimm, wenn man einen Klub unterstützt zu dem man eigentlich gar keinen Bezug hat? Darf man sich dann überhaupt Fan nennen? Oder dürfen das nur die, die Kontakt zu ihren Spielern, zum Verein haben? 

Meiner Meinung nach ist das, was einen Fan ausmacht die ehrliche Begeisterung für den Verein. Unabhängig von lokaler Distanz. Für mich ist jemand auch ein Fan, wenn er aufgrund seiner Wohnlage nicht seit Jahren ins Stadion geht, aber die Spiele und das Geschehen rund um seinen Verein aus der Ferne verfolgt. 

Ist man denn nur ein guter Fan wenn man seit zehn Jahren Mitglied ist und jedes Spiel besucht? Es kann auch jemand Mitglied sein und regelmäßig ins Stadion gehen, der nicht mit vollem Herzen bei der Sache ist und bei der ersten Niederlage anfängt „Trainer raus“ zu rufen.. 

Damit kommen wir zum nächsten Punkt: die Treue, auch bei Niederlagen und in schlechten Zeiten zu seinem Team zu stehen. Wenn ich zu jemandem sage „Ich freue mich auf die neue Saison und bin gespannt wie die Bayern sich heuer schlagen!“ und bekomme dann zur Antwort: „Ja, ich hoffe wir holen wieder das Triple!“ wird mir schlecht, ganz ehrlich. DAS sind in meinen Augen dann - obwohl ich diesen Begriff nicht unbedingt leiden kann - Erfolgsfans.
Die Spieler, Trainer und Betreuer sind auch nur Menschen. Man kann nicht erwarten, weil man einmal eine wirklich überragende Saison hatte, dass das nun zur Selbstverständlichkeit wird. Das erwarte ich als Bayernfan auf keinen Fall. Ich freue mich über Erfolge, ja natürlich sind Niederlagen nicht schön sondern ärgerlich. Doch mein Motto ist: Kopf hoch, nach vorne sehen und besser machen! Was bringt es mir als Fan auf Spieler oder Trainer einzuschimpfen? Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn sie keine gute Leistung bringen und ich möchte dazu auch offen Kritik äußern dürfen. Aber von Hetze ohne jegliche Argumentation oder Beleidigungen halte ich rein gar nichts. 

Falsche Richtung!

Etwas das ich auch wirklich schade finde, ist die Richtung in die sich das „Fan-Sein“ entwickelt. Ich habe das Gefühl es geht immer mehr darum den Gegner bzw. die gegnerischen Fans niederzumachen, anstatt den eigenen  Verein zu supporten. Ich war eine zeitlang auf Facebook in einer Bayern-Gruppe. Und fand es wirklich schade immer mehr Beleidigungen anderer Vereine lesen zu müssen, anstatt Beiträgen, die sich auf den eigenen Verein beziehen. Man ist in meinen Augen kein guter Fan, wenn man andere Mannschaften bzw. Vereine niedermacht. Ja, das machen so ziemlich alle und genau das ist das Traurige! Die Fankultur verkommt immer mehr, weil man sich immer mehr gegenseitig fertig macht. Aber darum geht‘s doch im Fussball gar nicht, oder? Ein Fan sollte für seinen Verein fanatisch sein, wie der Name schon sagt, und sich nicht damit beschäftigten über andere Fans zu spotten. Ich schätze einen Fan viel höher ein, wenn er andere Vereine und die Vereinsliebe derer Fans akzeptiert und vor allem respektiert. DAS ist in meinen Augen ein echter Fan! Frotzeleien und Neckereien wird es immer geben und wenn man weiß, dass das nicht so ernst gemeint ist, ist das ja auch okay. Aber da sollte man auf dem Boden bleiben. Es geht um deine Mannschaft und nicht um eine andere!

Aber leider ist das die Entwicklung der Menschheit. Immer zuerst bei anderen kritisieren anstatt vor der eigenen Haustür zu kehren. Es ist im Bezug zu Spielern ja oft genau dasselbe. Ich habe da zwei Beispiele, die ich unbedingt loswerden muss.

Die Bayern und Toni Kroos.

In der Bayerngruppe auf Facebook konnte ich nach den Transfers von Kroos und Mandzukic häufig Lobeshymnen auf Mandzu und Hasstiraden auf Kroos lesen. Was ich persönlich überhaupt nicht verstehe. Kroos hat in meinen Augen alles richtig gemacht. Sein erster Ansprechpartner war der FC Bayern München, er hat in der Presse nie anklingen lassen, dass er wechseln möchte, solange die Verhandlungen liefen. Die Verhandlungen scheiterten - soweit ich das beurteilen kann, zurecht. Viele meinen Kroos hätte sich verspekuliert. Aber mal ehrlich: 4,5 Mio.€ Gehalt. Viele werden jetzt sagen „Ich wäre froh, wenn ich das hätte“. Aber im direkten Vergleich zu Vereinskollegen war das ein Gehalt im unteren Drittel des Kaders. Kroos verdiente die Hälfte wie zum Beispiel Götze oder Thiago und brachte seine Leistungen letzte Saison, meiner Meinung nach, genau wie die beiden Neuzugänge. Und durch diese beiden wird auch das Argument Alters-Gehalt-Strategie sofort widerlegt. Dann dürften diese beiden auch nicht mehr verdienen als ein Lahm und ein Schweinsteiger. Meine Kritik liegt da eher bei den Verantwortlichen des FCB, keinesfalls bei Kroos aber das ist meine subjektive Ansicht bzw. einfach eine andere Geschichte. Gut, nach dem Scheitern der Vertragsverhandlungen wurde rasch klar, dass er zu Real will und das wurde ja auch sehr bald nach der WM offiziell bestätigt. Nun kamen die Bayernfans, die meinten Kroos wäre sowieso nur ein Klotz am Bein und geldgierig usw. Ein Mandzu hätte das Wappen des FCB geküsst und wäre ein „echter Roter“, Kroos hingegen schon fast ein Verräter.

Das kam von Bayernfans, die sich nach dem Wechsel von Götze über BVB-Fans aufgeregt und lustig gemacht haben, weil die Götze als Verräter und Judas bezeichnet hatten. Keine Spur besser!

Meine persönliche Meinung: Man kann nicht von jedem Spieler der - zum Beispiel - zum FC Bayern kommt, verlangen, dass er sich 101% mit diesem Verein identifiziert! Klar ist Bayern einer der größten und erfolgreichsten Vereine, aber das kann für Viele einfach auch nur eine Station auf ihrem Karriere-Weg sein um Erfahrungen zu sammeln. So wie es für einen Toni Kroos dasselbe war. Und dafür muss sich in meinen Augen niemand rechtfertigen, solange er seine Aufgabe erfüllt. Wieso wirft man einem Spieler so etwas vor? Kroos hat immer alles für den Verein und die Mannschaft gegeben. Er war häufig im Hintergrund und kaum zu sehen, doch trotzdem gab er der Mannschaft Sicherheit. Er war sehr wohl wichtig für die Mannschaft und hat seinen Beitrag zum Triple geleistet, auch wenn das viele verneinen und sofort nach dem Wechsel ihre boshaften Kommentare loslassen. Fehler machen "echte Münchner", die sich mit dem Verein sehr wohl identifizieren (so wie ein Lahm und Schweinsteiger) auch. Aber bei diesen Spielern würde es nie ein solches Gerede geben, da bin ich mir sicher. Soviel nocheinmal zur Fairness.. 

Es war seine Entscheidung zu Real Madrid zu gehen, warum kann nur er beantworten. Ich hasse es jemanden als geldgierig zu bezeichnen, wenn man keine Ahnung hat was in diesem Menschen vorgeht und was ihn zu seiner Entscheidung bewogen hat. Auch auf der PK bei seinem neuen Klub hat er sich bei seinem ehemaligen Verein bedankt und nie ein schlechtes Wort über den FC Bayern fallen gelassen. Auch wenn man enttäuscht ist über einen solchen Wechsel oder andersrum: froh ist, weil man diesen Spieler nie mochte, muss man ihn so behandeln? Muss man öffentlich solche „Kritik“ üben und alles, was er geleistet hat unter den Tisch fallen lassen? Dass man sowas denkt, ist meiner Meinung nach schon schlimm genug. 

Ich hasse dieses Verurteilen, das viele Fans schnell machen, weil es ja so einfach geht. Im Berufsleben würde jeder Verständnis dafür zeigen, wenn jemand in einen anderen Betrieb wechselt mit besseren Chancen und womöglich mehr Gehalt. Und für die Profifussballer ist die Leidenschaft der Fans - der Fussball - eben auch ihr Beruf. Ein Beruf, an dem Tausende und sogar Millionen Menschen ihren Senf dazugeben können. Spieler müssen sich für ihre Entscheidungen keinesfalls bei den Fans rechtfertigen, finde ich. Solange jedenfalls nicht, solange alles in fairer Art und Weise vonstattengeht. 

Die Schalker und Manuel Neuer. 

Ein zweites Beispiel: Er ist in Gelsenkirchen aufgewachsen, hat alle Jugendmannschaften von Schalke durchlaufen, kam in die erste Mannschaft, wurde Kapitän und hat seinem Verein geholfen und starke Leistungen gezeigt. Manuel Neuer. 
Dann kündigte er 2011 in einer Pressekonferenz an, er wird seinen Vertrag auf Schalke nicht verlängern. Der Abschied ging ihm augenscheinlich sehr nahe. Viele fragen sich, wieso verlässt er Schalke dann? Er ist Deutschland‘s Nummer Eins. Ich kann verstehen, dass er einen Blick über den Tellerrand erhaschen und international regelmäßig um Titel mitspielen wollte. Das ist der Profifussball nunmal und auf seinem Niveau war und ist das auch durchaus berechtigt. 
So, was kam jetzt? Im nächsten Spiel wurde er von den eigenen Fans ausgepfiffen und als Verräter und Judas beschimpft. Die 20 Jahre, die er für königsblau gekämpft hatte, alles was er geleistet hatte - ein Nichts. Das sahen die Fans in ihrem Frust und ihrer Enttäuschung nicht. Soetwas finde ich einfach nur traurig! Wo bleibt da die Fairness, die im Fussball doch angeblich so großgeschrieben wird? Einem Menschen den Respekt zu verwehren, den er verdient hat. Fussballer sind auch nur Menschen. 


Spieler müssen sich vor den Fans nicht rechtfertigen.

Man kann leicht sagen, „Wenn ich das wäre, hätte ich das ganz anders gemacht! Ich wäre für immer dort geblieben!“ Das kannst du nicht sagen.. weil du nicht weißt, was bei diesen Menschen im Hintergrund abläuft. Wenn du alles durchlebt hast, was er durchlebte und den Einflüssen ausgesetzt bist, die ihn beeinflusst haben. Wenn du sein Umfeld und seine Erfahrungen kennst und vor dieselbe Entscheidung gestellt wirst: erst dann kannst du beweisen, dass du‘s anders machen würdest! 

Wir haben kein Recht diese Menschen zu verurteilen für ihre Entscheidungen! Und das wird heutzutage leider gerne getan, was ich unmöglich finde. Ich kann nur hoffen, dass sich diese Entwicklung bald wieder in eine positivere Richtung wenden wird. Fussball ist ein Sport voller Emotionen, das ist klar. Jedoch wäre es manchmal sicher nicht schlecht, seine Emotionen ein wenig einzubremsen. Fussball ist ein toller Sport, der verbindet. Wir sollten uns, meiner Meinung nach, den Grundgedanken vom Fairplay öfter ins Gedächtnis rufen und uns wieder mehr auf das konzentrieren was wirklich zählt: der Sport, das Geschehen auf dem Platz. :)



Freitag, 18. Juli 2014

Die Deutschen, die Österreicher und der Gaucho-Skandal

#abseitsdesplatzes

Hallo allerseits! Hier in diesem Blog möchte ich Geschehnisse der Fussballwelt kommentieren, (lustige) Meldungen und Fotos teilen und vieles mehr. Und ich fange sofort damit an :-) Hier gleich mein erstes Thema. 

Die Deutschen, die Österreicher und der Gaucho-Skandal

Am Tag nach der Weltmeisterfeier in Berlin konnte man in zahlreichen deutschen und auch einigen österreichischen Zeitungen vom „respektlosen Gaucho-Tanz“ einiger deutscher Nationalspieler lesen. Nachdem ich einige Berichte, Statements und Kommentare zu diesem Thema gelesen habe, möchte nun auch ich meine Meinung dazu kundtun.  


 Wie alles begann. 

„Die Presse“ eine in Österreich allgemein sehr gelobte und niveauvolle Zeitung greift das Thema auf und titelt „Deutsche feiern sich selbst und verhöhnen Argentinier“. Der Bericht selbst ist einigermaßen neutral, wie es sich für eine Zeitung in dieser Klasse gehört. Jedoch kann man zwischen den Zeilen deutlich lesen, dass der Verfasser des Artikels die Aktion nicht gutheißt. Ich habe einige englische Berichte zum Vergleich gelesen, diese jedoch waren völlig objektiv, haben die Lage geschildert und offen gelassen, wie sie zu dieser Sache stehen. Das hätte ich mir von der Presse auch erwartet. Es ist schade, dass ausgerechnet eine gute Zeitung eine solche Aktion zu einem Artikel verarbeitet. Die Stimmung in den sozialen Netzwerken Österreichs war seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft aufgeheizt und der Großteil ist nicht sehr deutschlandfreundlich eingestellt, wenn man das so nennen möchte. Die Redakteure der Presse wissen ganz genau, dass sie diese „Anti-Deutschland-Stimmung“ mit dieser Überschrift pushen. Viele klicken den Link zum Artikel gar nicht erst an und urteilen nach der Überschrift. Das hat der Presse bei mir - und wie ich auf Facebook lesen konnte nicht nur bei mir - viele Sympathiepunkte gekostet. 



Österreich und der "kleine Bruder-Komplex"

Wenn man sich die Kommentare durchliest. Von Nazis, Rassisten und Arroganz wird dort geschrieben. Wenn ich das lese frage ich mich, welche Komplexe diese Menschen haben. Egal was in Deutschland passiert, es wird schlecht gemacht. Diese negative Stimmung betrifft leider nicht nur den Fussball. Doch besonders hier denken Viele, sich ihr verlorenes Selbstbewusstsein zurückholen zu müssen indem sie alles was „der große Bruder macht“ kritisieren zu müssen - und vor allem! - das zu dürfen. Würde jemand gegen ein anderes Land so wettern, würde er von mindestens einem Anderen als Rassist bezeichnet. Über Deutschland und Deutsche darf man jedoch nach Herzenslust schimpfen. Und das in einem Land wo sich vor allem seit dem ESC 2014 (Sieg von Conchita Wurst für Österreich) alle als „sehr offen und tolerant“ bezeichnen. Eigentlich ist dieses Trotzverhalten kleinen Kindern zuzuschreiben, jedoch sehe ich es in diesem Kontext immer öfter bei Erwachsenen, was ich ehrlich gesagt ziemlich traurig finde. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden was dahintersteckt. Doch egal, ob es die schlechten Leistungen unserer Fussballer oder die Gedanken zurück an den 2. Weltkrieg sind, meiner Meinung nach sollte man als erwachsener Mensch über so etwas stehen können und die Worte „respektvolles Miteinander“ verstanden haben.

Wie erwartet prasselte jetzt in den sozialen Netzwerken ein Shitstorm gegen „diese arroganten Deutschen“ nieder. Komischerweise regen sich jedoch, laut meinen Recherchen, in Argentinien weniger Menschen über diese Sache auf als hier. Österreicher, die mit dieser Sache eigentlich nichts am Hut haben, weil sie weder bei der WM noch an der Sache beteiligt waren, müssen aber natürlich den Mund aufreißen. Abgesehen davon, dass keiner sagen kann wie die Argentinier einen solchen Sieg gefeiert hätten, finde ich es lächerlich immer wieder auf seinem Nachbarn rumzuhacken. Natürlich, dieselbe Sprache, unsere Presse und die sozialen Netzwerke vermischen sich. Österreicher bekommen von dem was in Deutschland passiert wesentlich mehr mit als in Argentinien. Und das ist meiner Meinung nach ein Grund weswegen die Leute manchmal lieber still sein sollten. Dass argentinische Fans mit einer Wirbelsäule die Verletzung von Neymar gefeiert haben, bekam in keiner Zeitung einen solchen Artikel. Ja, es waren Fans und das andere Nationalspieler. Doch Fussball ist ein Sport voller Emotion. Da sind Spieler nicht anders als Fans! Das soll jetzt kein „Ich hacke so gerne auf Österreichern herum“ Eintrag werden. Ich bin ja selbst Österreicherin, doch dieses Verhalten, das meiner Meinung nach kindisch und völlig übertrieben ist, widert mich einfach an. 


Deutschland, mach dich locker! 

In der Gaucho-Sache sind sich dann doch erstaunlicherweise viele Deutsche und Österreicher einig: Skandal! Rassisten! Dafür muss man sich schämen! Ja, auch die deutsche Presse ging nicht allzu sanft mit ihren frischgebackenen Weltmeistern ins Gericht. Englische Berichte sind - wie oben geschrieben - neutral ausgefallen, die einzigen negativen Zeilen entstammen deutschen Zeitungen. Der Rest der Welt sieht in dem Tanz keine Ursache für einen solchen Wirbel. Auch die Argentinier selbst nehmen die Sache sehr gelassen. Ein Journalist schreibt, der deutsche Gesang „wäre ein Kinderspiel gewesen verglichen mit dem, was wir erfunden hätten“. Und es stimmt, Argentiniens Fans sind gegenüber Gastgeber Brasilien auch nicht auf den Mund gefallen und feierten die 1:7 Halbfinal-Niederlage des Erzrivalen regelrecht. 

Im Netz meinen Viele, die deutsche Nationalmannschaft habe nun ihr wahres Gesicht gezeigt. Der DFB betone das Miteinander, den Respekt und Fairplay doch so sehr. Und genau das haben die Spieler meiner Meinung nach gezeigt, als es darauf ankam: auf dem Platz direkt nach dem Spiel. Doch Viele haben die Bilder schon vergessen oder wohlweislich verdrängt: ein Schweinsteiger der einen Ronaldo in den Arm nimmt. Ein Kroos, der einen Dante tröstet. Ein Neuer, der Messi die Hand reicht. Ein Müller, der David Luiz aufmunternd und anerkennend auf die Schulter klopft. Auf dem Platz haben sie bewiesen, dass sie keinesfalls rassistisch und arrogant sind. Ich denke keine andere Mannschaft hat sich bei dieser WM ihren Gegnern gegenüber so fair verhalten wie die Deutschen. Und es kann mir keiner erzählen, dass einige Spieler nach einem derartig emotionalen Abend, stundenlangem anstrengendem Flug, kaum Schlaf und bei diesem überwältigendem Anblick von 500.000 Menschen, die ihnen in Berlin einen atemberaubenden Empfang bereiten, rassistische Gedanken hegen. Wie der DFB Präsident in seinem Entschuldigungsschreiben meinte: Der Gedanke entstand „spontan aus der Emotion und Freude heraus“. Spieler sind auch nur Menschen! Ich bin mir sicher, dass keiner von den Beteiligten sich bösartig über die Argentinier lustig machen wollte, geschweige denn an derartige Folgen gedacht hat. Zudem dieses Lied ja kein Unbekanntes in der Fussballszene ist und regelmäßig in verschiedensten Stadien der Welt (ja, auch in Deutschland und Österreich) gesungen wird. Auch ich habe mir bei der Übertragung nichts gedacht und war sehr überrascht, als ich auf Facebook den Artikel der Presse gesehen habe. Natürlich war es nicht die ideale Auswahl, doch diese Spieler, die einfach nur feiern wollten, jetzt so an den Pranger zu stellen finde ich nicht fair.


Einer zuviel.

Eigentlich traurig, dass man sich mit diesem Thema befassen muss. Jeder Artikel darüber ist eigentlich einer zuviel, da es keinen Grund gibt das so aufzupushen und zu politisieren.  Auch dieser Blogeintrag ist einer zuviel. Doch die vielen Meldungen und Kommentare und auch kleinere Diskussionen, die ich schon in diesem Zusammenhang geführt habe, haben mich dazu bewogen diese Sache zum ersten Thema meines Blogs zu küren. 
So wie dieser, werden zukünftige Blogeinträge von mir vermutlich oft aussehen: emotional und persönlich. Mir ist es wichtig, meine Meinung sagen zu können und auch dazu werde ich diesen Blog in Zukunft verwenden.