„Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen, abstrakten oder sportlichen Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.“
- Wikipedia
Ich kann nur für mich sprechen und möchte kurz etwas dazu erläutern: ich bin z.b. in einem Dorf aufgewachsen, da gab‘s nichtmal einen richtigen Verein, es gab keine regelmäßigen Spiele, gar nichts. Das einzige was mich zum Fussball gebracht hat, war mein Bruder und die Herkunft meiner Mama. Wien. Da gab es sie, die Vereine. Ich persönlich bin, auch wenn das vielen jetzt nicht gefallen wird, mit Rapid Wien aufgewachsen. Ich hatte keine Ahnung wie die Spieler heißen, wo wir in der Tabelle stehen oder sonstiges. Mein großer Bruder war schon immer mein Vorbild, und wenn er Rapid anfeuerte, dann war logisch, dass ich das auch tat. Mein Bruder mochte diesen Verein, mehr brauchte ich nicht zu wissen. Grün und Weiß ein Leben lang. Zu diesem Verein stehe ich auch heute noch. Es ist mein Kindheitsverein, obwohl ich keinen lokalen Bezug dazu habe, wie jemand der seinen Verein in derselben Stadt hat. Doch ich wurde älter und begann mich mit Fussball auseinanderzusetzen. Mein Interesse an Fussball, an der Technik, an Taktiken, an anderen Vereinen wuchs. Ich wollte über den Tellerrand schauen. Österreich ist nunmal keine Fussballnation, das ist allgemein bekannt. Und dann kam ich sozusagen durch Bastian Schweinsteiger zum FC Bayern.
Wann darf man sich überhaupt als Fan bezeichnen?
Ist es schlimm, wenn man einen Klub unterstützt zu dem man eigentlich gar keinen Bezug hat? Darf man sich dann überhaupt Fan nennen? Oder dürfen das nur die, die Kontakt zu ihren Spielern, zum Verein haben?Die Spieler, Trainer und Betreuer sind auch nur Menschen. Man kann nicht erwarten, weil man einmal eine wirklich überragende Saison hatte, dass das nun zur Selbstverständlichkeit wird. Das erwarte ich als Bayernfan auf keinen Fall. Ich freue mich über Erfolge, ja natürlich sind Niederlagen nicht schön sondern ärgerlich. Doch mein Motto ist: Kopf hoch, nach vorne sehen und besser machen! Was bringt es mir als Fan auf Spieler oder Trainer einzuschimpfen? Natürlich bin ich nicht begeistert, wenn sie keine gute Leistung bringen und ich möchte dazu auch offen Kritik äußern dürfen. Aber von Hetze ohne jegliche Argumentation oder Beleidigungen halte ich rein gar nichts.
Falsche Richtung!
Etwas das ich auch wirklich schade finde, ist die Richtung in die sich das „Fan-Sein“ entwickelt. Ich habe das Gefühl es geht immer mehr darum den Gegner bzw. die gegnerischen Fans niederzumachen, anstatt den eigenen Verein zu supporten. Ich war eine zeitlang auf Facebook in einer Bayern-Gruppe. Und fand es wirklich schade immer mehr Beleidigungen anderer Vereine lesen zu müssen, anstatt Beiträgen, die sich auf den eigenen Verein beziehen. Man ist in meinen Augen kein guter Fan, wenn man andere Mannschaften bzw. Vereine niedermacht. Ja, das machen so ziemlich alle und genau das ist das Traurige! Die Fankultur verkommt immer mehr, weil man sich immer mehr gegenseitig fertig macht. Aber darum geht‘s doch im Fussball gar nicht, oder? Ein Fan sollte für seinen Verein fanatisch sein, wie der Name schon sagt, und sich nicht damit beschäftigten über andere Fans zu spotten. Ich schätze einen Fan viel höher ein, wenn er andere Vereine und die Vereinsliebe derer Fans akzeptiert und vor allem respektiert. DAS ist in meinen Augen ein echter Fan! Frotzeleien und Neckereien wird es immer geben und wenn man weiß, dass das nicht so ernst gemeint ist, ist das ja auch okay. Aber da sollte man auf dem Boden bleiben. Es geht um deine Mannschaft und nicht um eine andere!Die Bayern und Toni Kroos.
Die Schalker und Manuel Neuer.
Ein zweites Beispiel: Er ist in Gelsenkirchen aufgewachsen, hat alle Jugendmannschaften von Schalke durchlaufen, kam in die erste Mannschaft, wurde Kapitän und hat seinem Verein geholfen und starke Leistungen gezeigt. Manuel Neuer.Dann kündigte er 2011 in einer Pressekonferenz an, er wird seinen Vertrag auf Schalke nicht verlängern. Der Abschied ging ihm augenscheinlich sehr nahe. Viele fragen sich, wieso verlässt er Schalke dann? Er ist Deutschland‘s Nummer Eins. Ich kann verstehen, dass er einen Blick über den Tellerrand erhaschen und international regelmäßig um Titel mitspielen wollte. Das ist der Profifussball nunmal und auf seinem Niveau war und ist das auch durchaus berechtigt.
So, was kam jetzt? Im nächsten Spiel wurde er von den eigenen Fans ausgepfiffen und als Verräter und Judas beschimpft. Die 20 Jahre, die er für königsblau gekämpft hatte, alles was er geleistet hatte - ein Nichts. Das sahen die Fans in ihrem Frust und ihrer Enttäuschung nicht. Soetwas finde ich einfach nur traurig! Wo bleibt da die Fairness, die im Fussball doch angeblich so großgeschrieben wird? Einem Menschen den Respekt zu verwehren, den er verdient hat. Fussballer sind auch nur Menschen.
Spieler müssen sich vor den Fans nicht rechtfertigen.
Man kann leicht sagen, „Wenn ich das wäre, hätte ich das ganz anders gemacht! Ich wäre für immer dort geblieben!“ Das kannst du nicht sagen.. weil du nicht weißt, was bei diesen Menschen im Hintergrund abläuft. Wenn du alles durchlebt hast, was er durchlebte und den Einflüssen ausgesetzt bist, die ihn beeinflusst haben. Wenn du sein Umfeld und seine Erfahrungen kennst und vor dieselbe Entscheidung gestellt wirst: erst dann kannst du beweisen, dass du‘s anders machen würdest!Wir haben kein Recht diese Menschen zu verurteilen für ihre Entscheidungen! Und das wird heutzutage leider gerne getan, was ich unmöglich finde. Ich kann nur hoffen, dass sich diese Entwicklung bald wieder in eine positivere Richtung wenden wird. Fussball ist ein Sport voller Emotionen, das ist klar. Jedoch wäre es manchmal sicher nicht schlecht, seine Emotionen ein wenig einzubremsen. Fussball ist ein toller Sport, der verbindet. Wir sollten uns, meiner Meinung nach, den Grundgedanken vom Fairplay öfter ins Gedächtnis rufen und uns wieder mehr auf das konzentrieren was wirklich zählt: der Sport, das Geschehen auf dem Platz. :)
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