Freitag, 18. Juli 2014

Die Deutschen, die Österreicher und der Gaucho-Skandal

#abseitsdesplatzes

Hallo allerseits! Hier in diesem Blog möchte ich Geschehnisse der Fussballwelt kommentieren, (lustige) Meldungen und Fotos teilen und vieles mehr. Und ich fange sofort damit an :-) Hier gleich mein erstes Thema. 

Die Deutschen, die Österreicher und der Gaucho-Skandal

Am Tag nach der Weltmeisterfeier in Berlin konnte man in zahlreichen deutschen und auch einigen österreichischen Zeitungen vom „respektlosen Gaucho-Tanz“ einiger deutscher Nationalspieler lesen. Nachdem ich einige Berichte, Statements und Kommentare zu diesem Thema gelesen habe, möchte nun auch ich meine Meinung dazu kundtun.  


 Wie alles begann. 

„Die Presse“ eine in Österreich allgemein sehr gelobte und niveauvolle Zeitung greift das Thema auf und titelt „Deutsche feiern sich selbst und verhöhnen Argentinier“. Der Bericht selbst ist einigermaßen neutral, wie es sich für eine Zeitung in dieser Klasse gehört. Jedoch kann man zwischen den Zeilen deutlich lesen, dass der Verfasser des Artikels die Aktion nicht gutheißt. Ich habe einige englische Berichte zum Vergleich gelesen, diese jedoch waren völlig objektiv, haben die Lage geschildert und offen gelassen, wie sie zu dieser Sache stehen. Das hätte ich mir von der Presse auch erwartet. Es ist schade, dass ausgerechnet eine gute Zeitung eine solche Aktion zu einem Artikel verarbeitet. Die Stimmung in den sozialen Netzwerken Österreichs war seit dem Gewinn der Weltmeisterschaft aufgeheizt und der Großteil ist nicht sehr deutschlandfreundlich eingestellt, wenn man das so nennen möchte. Die Redakteure der Presse wissen ganz genau, dass sie diese „Anti-Deutschland-Stimmung“ mit dieser Überschrift pushen. Viele klicken den Link zum Artikel gar nicht erst an und urteilen nach der Überschrift. Das hat der Presse bei mir - und wie ich auf Facebook lesen konnte nicht nur bei mir - viele Sympathiepunkte gekostet. 



Österreich und der "kleine Bruder-Komplex"

Wenn man sich die Kommentare durchliest. Von Nazis, Rassisten und Arroganz wird dort geschrieben. Wenn ich das lese frage ich mich, welche Komplexe diese Menschen haben. Egal was in Deutschland passiert, es wird schlecht gemacht. Diese negative Stimmung betrifft leider nicht nur den Fussball. Doch besonders hier denken Viele, sich ihr verlorenes Selbstbewusstsein zurückholen zu müssen indem sie alles was „der große Bruder macht“ kritisieren zu müssen - und vor allem! - das zu dürfen. Würde jemand gegen ein anderes Land so wettern, würde er von mindestens einem Anderen als Rassist bezeichnet. Über Deutschland und Deutsche darf man jedoch nach Herzenslust schimpfen. Und das in einem Land wo sich vor allem seit dem ESC 2014 (Sieg von Conchita Wurst für Österreich) alle als „sehr offen und tolerant“ bezeichnen. Eigentlich ist dieses Trotzverhalten kleinen Kindern zuzuschreiben, jedoch sehe ich es in diesem Kontext immer öfter bei Erwachsenen, was ich ehrlich gesagt ziemlich traurig finde. Ich habe noch nicht ganz herausgefunden was dahintersteckt. Doch egal, ob es die schlechten Leistungen unserer Fussballer oder die Gedanken zurück an den 2. Weltkrieg sind, meiner Meinung nach sollte man als erwachsener Mensch über so etwas stehen können und die Worte „respektvolles Miteinander“ verstanden haben.

Wie erwartet prasselte jetzt in den sozialen Netzwerken ein Shitstorm gegen „diese arroganten Deutschen“ nieder. Komischerweise regen sich jedoch, laut meinen Recherchen, in Argentinien weniger Menschen über diese Sache auf als hier. Österreicher, die mit dieser Sache eigentlich nichts am Hut haben, weil sie weder bei der WM noch an der Sache beteiligt waren, müssen aber natürlich den Mund aufreißen. Abgesehen davon, dass keiner sagen kann wie die Argentinier einen solchen Sieg gefeiert hätten, finde ich es lächerlich immer wieder auf seinem Nachbarn rumzuhacken. Natürlich, dieselbe Sprache, unsere Presse und die sozialen Netzwerke vermischen sich. Österreicher bekommen von dem was in Deutschland passiert wesentlich mehr mit als in Argentinien. Und das ist meiner Meinung nach ein Grund weswegen die Leute manchmal lieber still sein sollten. Dass argentinische Fans mit einer Wirbelsäule die Verletzung von Neymar gefeiert haben, bekam in keiner Zeitung einen solchen Artikel. Ja, es waren Fans und das andere Nationalspieler. Doch Fussball ist ein Sport voller Emotion. Da sind Spieler nicht anders als Fans! Das soll jetzt kein „Ich hacke so gerne auf Österreichern herum“ Eintrag werden. Ich bin ja selbst Österreicherin, doch dieses Verhalten, das meiner Meinung nach kindisch und völlig übertrieben ist, widert mich einfach an. 


Deutschland, mach dich locker! 

In der Gaucho-Sache sind sich dann doch erstaunlicherweise viele Deutsche und Österreicher einig: Skandal! Rassisten! Dafür muss man sich schämen! Ja, auch die deutsche Presse ging nicht allzu sanft mit ihren frischgebackenen Weltmeistern ins Gericht. Englische Berichte sind - wie oben geschrieben - neutral ausgefallen, die einzigen negativen Zeilen entstammen deutschen Zeitungen. Der Rest der Welt sieht in dem Tanz keine Ursache für einen solchen Wirbel. Auch die Argentinier selbst nehmen die Sache sehr gelassen. Ein Journalist schreibt, der deutsche Gesang „wäre ein Kinderspiel gewesen verglichen mit dem, was wir erfunden hätten“. Und es stimmt, Argentiniens Fans sind gegenüber Gastgeber Brasilien auch nicht auf den Mund gefallen und feierten die 1:7 Halbfinal-Niederlage des Erzrivalen regelrecht. 

Im Netz meinen Viele, die deutsche Nationalmannschaft habe nun ihr wahres Gesicht gezeigt. Der DFB betone das Miteinander, den Respekt und Fairplay doch so sehr. Und genau das haben die Spieler meiner Meinung nach gezeigt, als es darauf ankam: auf dem Platz direkt nach dem Spiel. Doch Viele haben die Bilder schon vergessen oder wohlweislich verdrängt: ein Schweinsteiger der einen Ronaldo in den Arm nimmt. Ein Kroos, der einen Dante tröstet. Ein Neuer, der Messi die Hand reicht. Ein Müller, der David Luiz aufmunternd und anerkennend auf die Schulter klopft. Auf dem Platz haben sie bewiesen, dass sie keinesfalls rassistisch und arrogant sind. Ich denke keine andere Mannschaft hat sich bei dieser WM ihren Gegnern gegenüber so fair verhalten wie die Deutschen. Und es kann mir keiner erzählen, dass einige Spieler nach einem derartig emotionalen Abend, stundenlangem anstrengendem Flug, kaum Schlaf und bei diesem überwältigendem Anblick von 500.000 Menschen, die ihnen in Berlin einen atemberaubenden Empfang bereiten, rassistische Gedanken hegen. Wie der DFB Präsident in seinem Entschuldigungsschreiben meinte: Der Gedanke entstand „spontan aus der Emotion und Freude heraus“. Spieler sind auch nur Menschen! Ich bin mir sicher, dass keiner von den Beteiligten sich bösartig über die Argentinier lustig machen wollte, geschweige denn an derartige Folgen gedacht hat. Zudem dieses Lied ja kein Unbekanntes in der Fussballszene ist und regelmäßig in verschiedensten Stadien der Welt (ja, auch in Deutschland und Österreich) gesungen wird. Auch ich habe mir bei der Übertragung nichts gedacht und war sehr überrascht, als ich auf Facebook den Artikel der Presse gesehen habe. Natürlich war es nicht die ideale Auswahl, doch diese Spieler, die einfach nur feiern wollten, jetzt so an den Pranger zu stellen finde ich nicht fair.


Einer zuviel.

Eigentlich traurig, dass man sich mit diesem Thema befassen muss. Jeder Artikel darüber ist eigentlich einer zuviel, da es keinen Grund gibt das so aufzupushen und zu politisieren.  Auch dieser Blogeintrag ist einer zuviel. Doch die vielen Meldungen und Kommentare und auch kleinere Diskussionen, die ich schon in diesem Zusammenhang geführt habe, haben mich dazu bewogen diese Sache zum ersten Thema meines Blogs zu küren. 
So wie dieser, werden zukünftige Blogeinträge von mir vermutlich oft aussehen: emotional und persönlich. Mir ist es wichtig, meine Meinung sagen zu können und auch dazu werde ich diesen Blog in Zukunft verwenden.